Welche Versicherungen braucht man?

 

Du fühlst dich überversichert? Du vertraust Versicherungsvertretern nicht? Erfahre hier, welche Versicherungen Du brauchst und welche wirklich sinnvoll sind!
Von Markus Bontenackels & Till Ehrich | Update 12.11.2017

Welche Versicherungen sind sinnvoll?

Der Zweck einer Versicherung ist die Verteilung eines individuellen Risikos auf eine breite Masse. Jeder einzelne Versicherte zahlt einen geringeren Beitrag, sodass im Schadensfall für die einzelnen Betroffenen eine Leistung gezahlt werden kann. Welche Versicherungen sind also sinnvoll, welche Versicherungen braucht man? Die wichtigsten Versicherungen sind diejenigen, durch die existenziellen Risiken abgesichert werden. Generell kannst Du Versicherungen in die folgenden Kategorien einteilen:

  • Pflichtversicherungen
  • Wichtige Versicherungen
  • Empfehlenswerte Versicherungen
  • Restliche Versicherungen

Pflichtversicherungen

Braucht man eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung?

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Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Im Regelfall bist Du als Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Dadurch hast Du einen Anspruch auf eine ärztliche und stationäre Behandlung. Zudem wird im Krankheitsfall der Lohn weiterhin nach einer 6 Wochen andauernder Arbeitsunfähigkeit ausgezahlt.

Der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung werden zwischen dem Arbeitgeber und Dir aufgeteilt. Der allgemeine Beitragssatz beträgt 14,6% (Stand 2017), sodass auf den Arbeitgeber und Dich jeweils 7,3% entfallen. Zudem fällt für Dich ein sogenannter Zusatzbeitrag an, die Höhe ist von der Krankenkasse anhängig (0,6% – 1,5%). Da die hauptsächlichen Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse festgelegt sind, empfehlen wir Dir in eine günstigere Krankenkasse mit geringerem Zusatzbeitrag zu wechseln.

Als Selbstständiger (insbesondere als junger Mensch) ist es für Dich häufig nicht sinnvoll in die gesetzliche Krankenversicherung einzusteigen, da die Leistungen nicht angepasst werden können. 15,7% des beitragspflichtigen Einkommens werden abgeführt, mindestens aber 400 Euro im Monat. Ab 2.231.25 Euro monatlichen Gewinn steigt der Beitrag anteilige bis auf 800 Euro (Stand 2017).

Private Krankenversicherung (PKV)
Natürlich gibt es auch die Möglichkeit sich in der privaten Krankenversicherung zu versichern. Als Angestellter musst Du jedoch mindestens 59.400 Euro brutto (2018) im Jahr verdienen, damit Dir diese Möglichkeit offensteht. Als Selbstständiger kannst Du dich immer anmelden und die Leistungen vor allem anpassen.

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung bemessen sich nach deinem Alter und dem aktuellen Gesundheitszustand. Bei manchen privaten Krankenversicherungen gibt einen „Joker-Tarif“, bei dem dein Gesundheitszustand nicht erfasst wirst und Du dafür zirka die Gebühr eines Jahresbeitrags bezahlst. Hier solltest Du aber genau auf die Ausschlusskriterien achten. Du kannst optionale Zusatzleistungen wie ein Einzelbettzimmer oder die Behandlung durch einen Chefarzt in deinen Tarif aufnehmen, sofern Du dies brauchst. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Du beim Arzt in wenigen Tagen einen Termin zur Sprechstunde erhältst (auch wenn das unfair ist). Der Nachteil ist, dass die Beiträge auch bei weniger Einkommen nicht sinken und mit dem Alter teuer werden, da immer Alter und Gesundheitszustand als Grundlage für den Beitragssatz herangezogen werden.

Da die Krankenversicherung in der Regel die teuerste Versicherung darstellt, solltest Du deinen Fall genau ausrechnen, Tarife und Leistungen umfänglich vergleichen und dann gegebenenfalls wechseln. Merke: Bei teuren Posten ist immer die höchste Aufmerksamkeit und Sorgfalt geboten, rechne Dir die Unterschiede einmal in einem 10-Jahreszeitraum aus.

Beitragskosten bei einem gesunden Selbstständigen (30 Jahre) mit angenommenen 7% Kostensteigerung / Jahr bei der PKV und 3% Kostensteigerung bei der GKV

Versicherung 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre
GKV 27.000€ 58.800€ 140.400€
PKV 14.200€ 33.700€ 102.400€

 

Als junger Mensch musst Du in der privaten Krankenversicherung deutlich geringere Beiträge zahlen. Natürlich ist dies verlockend, jedoch steigen die Beiträge im Alter deutlich an. Ein erneuter Wechsel im Alter zurück in die gesetzliche Rentenversicherung gestaltet sich aber durch gesetzliche Hürden zunehmend schwieriger. Dein Ehepartner und die Kinder werden im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos versichert. Du solltest deine Entscheidung in die private Krankenversicherung zu wechseln daher gut kalkuliert haben. Als junger Selbstständiger lohnt sich die private Krankenversicherung in der Regel aber deutlich häufiger.

 

Braucht man eine Pflegeversicherung?

In der gesetzlichen Pflegeversicherung bist Du als Arbeitnehmer in der Regel ebenfalls pflichtversichert. Als Unternehmer muss Dir deine private Krankenkasse zumindest eine Pflegeversicherung anbieten. Die Pflegeversicherung deckt dein Risiko ab, in der Zukunft pflegebedürftig zu werden. Der aktuelle Beitragssatz bei der gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt für Dich und deinen Arbeitgeber 2,55% bzw. 2,8% für kinderlose Arbeitnehmer, die das 23. Lebensjahr vollendet haben.

Du solltest eine Pflegeversicherung abschließen, wenn abzusehen ist, dass deine Rente nicht ausreicht, um die Kosten zu decken, falls Du ein Pflegefall wirst. In diesem Fall werden alle deine Besitztümer, wie zum Beispiel Immobilien oder liquide Gelder, zwangsläufig verkauft/eingezogen um die Pflegekosten zu decken. Du kannst deinen Kindern dein Eigenheim dann nicht mehr vererben. Die durchschnittlichen Kosten betragen bei der häufigen Pflegestufe III zirka 2.800 Euro pro Monat, davon übernimmt die Pflegekasse zirka 1.260 Euro. Das bedeutet, die Rente muss mindestens den Eigenanteil von 1.540 Euro decken, was diese häufig nicht leistet.

 

Brauche ich eine Rentenversicherung?

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Die gesetzliche Rentenversicherung dient deiner Altersvorsorge als Arbeitnehmer. Bei Erreichen des Renteneintrittsalters wird Dir eine monatliche Altersrente ausgezahlt. Zudem werden aus den Beiträgen verschiedene Leistungen wie Hinterbliebenenrenten, Erwerbsminderungsrente und Kindererziehungszeiten bezahlt. Die Beiträge in Höhe von 18,7% von deinem Bruttogehalt teilst Du dir zusammen mit deinem Arbeitgeber.

Als Unternehmer kannst Du dir aussuchen, ob Du privat für das Alter vorsorgen willst. Wir empfehlen Dir, die Altersvorsorge auf jeden Fall als feste Ausgabe anzusehen und monatlichen Rücklagen zu bilden. Das Geld kann zum Beispiel in einem ETF Sparplan oder in eine Wohnimmobilien zur Vermietung angelegt werden, sodass Du im Alter genügend Reserven hast. Wenn Du jetzt auf zu großem Fuße lebst und alles verkonsumierst, ist die Gefahr hoch, dass Du später in Altersarmut leben musst.

Bedenke, dass der monatliche Betrag im Rentenbescheid keinesfalls die Wirklichkeit wiederspiegelt. Wenn Du z.B. 2.200 Euro pro Monat als erwartete Rente erhältst, musst Du zunächst deine Steuern und die Krankenversicherung davon abziehen. Hierfür kannst Du knapp 25 % ansetzen. Das heißt, dass Dir effektiv 1.650 Euro übrig bleiben. Die Kaufkraft sinkt über die nächsten 30 Jahre bei einer angenommenen Inflation von 2,5% pro Jahr auf 786 Euro, was dann deine reale monatliche Rente darstellt. Unter dem Strich wirst Du – bei 2.200 Euro auf dem Rentenbescheid – deshalb über weniger als 800 Euro Kaufkraft verfügen, wenn Du in Rente gehst!

 

Zum Thema Rente findest Du hier ein informatives Video von Alex Fischer Düsseldorf, „Die Zeitbomben in deinem Rentenbescheid Teil 1, oder warum Du Immobilien kaufen solltest #8/99“ das die Problematik anschaulich erklärt.

 

Brauche ich eine Arbeitslosenversicherung?

Die Arbeitslosenversicherung dient Dir bei einem Jobverlust dazu, dein Einkommen für eine befristete Zeit zu sichern, sodass Du dich auf die Suche nach einem neuen Job begeben kannst. Der Beitragssatz für Dich und deinen Arbeitsgeber beträgt je 3% von deinem Bruttogehalt. Da Du ohnehin 6-12 Monate Arbeitslosengeld (ALG 1) erhältst (zirka 60-67% vom letzten Nettolohn), bei über 50 Jahren sogar bis 24 Monate, lohnt sich die Versicherung für Angestellte nur bedingt.

Als Selbstständiger kann die Versicherung Sinn machen, ist aber meist recht teuer, weshalb das eigene bilden von Rücklagen häufig sinnvoller ist. Die beste Maßnahme und Absicherung ist natürlich, sich wieder zügig um ein Einkommen zu bemühen.

Brauche ich eine KFZ – Haftpflichtversicherung?

Die KFZ-Haftpflichtversicherung ist eine Pflichtversicherung für Dich, insofern Du ein Kraftfahrzeug zulassen möchtest. Die Versicherung dient dazu Schadensansprüche von Dritten, die durch den Betrieb eines Kraftfahrzeugs entstehen können, zu sichern. Solltest Du an einem Verkehrsunfall Schuld haben, so trägt deine KFZ-Haftpflichtversicherung die Kosten der geschädigten Verkehrsteilnehmer

 

Wichtige Versicherungen

Brauche ich eine Privathaftpflichtversicherung?

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Eine Privathaftpflichtversicherung schützt Dich vor Forderungen Dritter, sobald Du diesen einen Schaden zugefügt hast. Die Privathaftpflichtversicherung ist eine freiwillige Versicherung, jedoch sehr wichtig, da Du für anfallende Schäden generell in unbegrenzter Höhe und über mehrere Jahrzehnte haftest.

Eine Privathaftpflichtversicherung deckt jedoch nicht alle Bereiche ab, da die Beiträge für alle Versicherten sonst steigen würden. Daher müssen sich Interessierte die notwendigen Elemente heraussuchen, die sie als notwendig betrachte. Diese betreffen zum Beispiel die Vermietung, Bauvorhaben, Hunde, Selbstständige. Wir empfehlen Euch dringend eine Privathaftpflichtversicherung abzuschließen, die es schon ab 23,- EURO pro Jahr gibt (Stand 2017).

Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Deine Arbeitskraft stellt für Dich als Arbeitnehmer dein größtes Vermögen dar. Der Verlust kann je nach Höhe deines Bruttogehaltes und der Anzahl der verbleibenden Rente rund 2 Millionen Euro betragen. Hierbei handelt es sich um dein entgangenes Gehalt. Daher solltest Du diese wichtige Einkommensquelle mit einer Versicherung absichern. Der wichtigste Schlüssel dafür ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Prämien für die Versicherung sind vergleichsweise höher, lohnen sich aber im Regelfall dennoch, da Du hiermit ein existenzielles Risiko absicherst.

Brauche ich eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht der Erwerbsunfähigkeitsversicherung zu verwechseln, obwohl die Begriffe häufig synonym verwendet werden. Berufsunfähig bedeutet, dass der zuvor ausgeübte Beruf nicht mehr ausgeführt werden kann, man aber häufig durchaus noch erwerbsfähig ist. Erwerbsunfähig meint demnach, dass überhaupt kein Beruf mehr ausgeübt werden kann bzw. weniger als 3 Stunden am Tag. In der Praxis bedeutet das, dass die Versicherung in Schadensfall versucht, dich möglichst in einem anderen Beruf (häufig mit deutlichen Lohneinbußen) unterzubringen. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung empfiehlt sich also nur für bestimmte – schwer versicherbare – Berufe. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung geht deshalb deutlich weiter.

Du solltest bereits in frühen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, da sich die Prämie anhand deines aktuellen Alters und Gesundheitszustandes bemisst. Die Versicherungen sind dementsprechend wählerisch und versichern Dich in der Regel nur zu akzeptablen Konditionen, wenn alles in Ordnung ist. Deshalb wird die Berufsunfähigkeitsversicherung mit zunehmenden Alter ökonomisch nicht mehr sinnvoll.

 

Empfehlenswerte Versicherungen

Brauche ich eine Auslandsreisekrankenversicherung?

Eine Auslandsreisekrankenversicherung, ist für Dich empfehlenswert, wenn Du öfter ins nichteuropäische Ausland reist, da die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, die z. B. für eine Rückholung anfallen, nicht übernehmen.

Häufig wird die Auslandsreisekrankenversicherung bei der Reisebuchung auch über den Kreditkartenanbieter oder andere etwaige Anbieter angeboten. Wenn Du bereits eine Auslandsreisekrankenversicherung über deine (private) Krankenkasse oder eine andere Versicherung abgeschlossen hast, solltest Du NICHT eine zweite Versicherung abschließen, da dies im Schadensfall zu einem Zuständigkeitsproblem führt, was darin enden kann, dass Du gar keine Leistung erhältst.

 

Brauche ich eine Sachversicherung?

Mit einer Sachversicherung kannst Du dein Eigentum absichern, sodass Du es im Schadensfall nach Möglichkeit nicht ersatzlos verlierst. Beispiele stellen hier die Gebäudeversicherung, Teil- bzw. Vollkaskoversicherung für Kraftfahrtzeuge und die Hausratversicherung dar. Wenn Du beispielsweise beruflich auf dein Auto angewiesen bist und kein Vermögen zur Anschaffung eines neuen Fahrzeuges hast, so solltest Du eine Vollkaskoversicherung abschließen.

Unserer Meinung nach besteht der Kern von Versicherungen jedoch darin, existenzgefährdende Risiken abzusichern. Das trifft auch bei der Hausratversicherung eher nicht zu. Solltest Du allerdings sehr wertvolle Designklassiker oder Kunst besitzen und möchtest Du dich absichern, so kann der Abschluss einer Hausratversicherung natürlich sinnvoll sein.

 

Sonstige Versicherungen

Brauche ich eine Rechtsschutzversicherung?

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Eine Rechtsschutzversicherung zahlt bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit einer gegnerischen Partei die Anwaltskosten und die Gerichtskosten, sofern Du den Prozess verlieren solltest. Die Versicherung versucht außerdem gegnerische Ansprüche abzuwehren. Unserer Meinung nach lohnt sich diese Versicherung im Normalfall nicht, da die Kosten für das Gerichtsverfahren mit den gesparten Prämien in ein paar Jahren wieder eingespart sind. Wenn es Dir wichtig erscheint, eigene Ansprüche gegenüber Dritten gerichtlich durchzusetzen, z.B. in deinem Job oder gegenüber deinem Vermieter, kannst Du diese Versicherung in Anspruch nehmen.

Weitere Versicherungen kannst Du nach deinem individuellen Bedarf bewerten. Du solltest jedoch Versicherungen wie eine Glasschutz-, oder Brillenversicherung vermeiden, da Du die Kosten für eine neue Brille selbst stemmen kannst und dies nicht deine Existenz gefährdet.

 

Die deutschen sind im Schnitt stark überversichert und Versicherungen sind – bis auf die Pflichtversicherungen – meistens unnötig, da sie im Preis-Leistungs-Verhältnis zu teuer sind. Rechne die Kosten deshalb am besten immer in 5-10 Jahresschritten hoch und überlege Dir genau, ob Dir die Absicherung den Preis wert ist und ob Du die Absicherung überhaupt brauchst. Schaue Dir deine Versicherungen am besten gleich an und kündige unnötiges. Auch ein Wechsel kann auf 5 Jahre gerechnet viel Geld einsparen.

 

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